10.06.2022
Ein innerer Kompass führte mich liebevoll durch Königsberg und Schneidemühl, zu den Orten meiner Familie.

Ich stand vor dem Elternhaus meines Vaters in der Gartenstraße in Schneidemühl Westpreussen, einst die Kornkammer Deutschlands, wo "Milch und Honig fließen"; sah den Garten, in dem er spielte, und ging den kleinen Fluss entlang, so wie mein Vater damals, als er noch ein Kind war.
Ich stand vor dem Tor der verlassenen Kaserne im Kanonenweg in Königsberg. Links im Hochparterre war die Wohnung, und ich sah das Küchenfenster aus dem meine Mutter als Kind oft herauskletterte, sich am Fenster festhielt und rief: „Nehmt mich ab, sonst lasse ich mich fallen.“
Ein Soldat war immer sofort zur Stelle und half meiner Mama herunter.
Ich ging, so wie meine Mutter es mir erzählte, von dort zum Oberteich, wo sie immer ein Eis gegessen hatte. Ich beobachtete die Menschen dort, lauschte den Glocken des Königsberger Doms, die wir an Weihnachten immer von der Langspielplatte gehört hatten.
Und als ich die feuchten Augen meiner Großeltern vor mir sah, spürte ich ihre tiefe Sehnsucht nach dem „Land der dunklen Wälder“.